@copyright: Genuss im Bus

 

„Nimm 3 zahl 2 und wirf dann 4 weg“

„Diese Mentalität hat mich immer schon gestört. Das interessiert mich nicht. Ich will lieber eines kaufen, das qualitativ hochwertig ist und bestenfalls aus Österreich kommt. Weil wir ja eigentlich alle wissen, dass das wichtig ist“.  -  Brigitte Macho

Vor sechs Jahren fasste Brigitte Macho den Entschluss, in Ihrem Copyshop in 1040 Wien, Platz für die Ware österreichischer Kleinbauern zu machen. Die Druckgeräte wurden in den Hinterraum verschoben. Den Eingangsbereich säumen seither Regale, in denen von Pesto über Schmalz und Suppenwürze, bis hin zu Weinen und Schnäpsen alles zu finden ist, was das nachhaltige Herz begehrt. Schwer kann man daran vorbeilaufen, denn die Fassade besteht aus einer realitätsnahen „Wienerlinien-Bus-Illustration“, welche namensgebend war.

Wien, 13.11.2019               

Was war deine Vision?

Ich komm vom Land. In Wien sind mir die guten regionalen Lebensmittel abgegangen.

Dann ging alles relativ schnell. Ich habe den Tischler angerufen, bin mit dem Copyshop zurückgerutscht und habe mir einen Gewerbeschein geholt. Wenn ich mir einmal etwas in den Kopf setz‘, dann wird das auch rasch umgesetzt.

Mein ältester Lieferant ist der Bio Weber, der hier ums Eck seinen Bio-Laden hatte. Ihm war‘s im Alter zu anstrengend den Laden allein weiterzuführen und dann hab‘ ich ihn gefragt ob er bei mir seine Produkte anbieten will. Seine Etiketten sind sogar alle noch handgeschrieben.

Woher kommen deine Produkte und wer kauft gerne bei dir ein?

Mir geht’s vor allem um Qualität - nicht um Quantität.

Von Vorarlberg bis Burgenland, such‘ ich mir Produkte aus, bei denen ich mir denk‘: „Die würd‘ ein anderer auch gern essen“. Ich habe keine 20 Marillenmarmeladen, sondern da gibt’s halt eine davon, und die kommt aus der dafür typischen Region, aus der Wachau. Ich darf leider keine unverpackte Ware anbieten, aber dafür gibt’s spezielle Produkte wie Steinpilzpesto oder Wiener Würze (ein Soja – Sauce Ersatz) aus dem Glas.

Wir machen einmal im Monat Verkostung, damit die Kunden auch kosten können, was im Glas drinnen ist. Da kommt jeder Produzent einmal dran. Oft klingt etwas verlockend und dann probiert man‘s und denkt sich: „Na, das hätt‘ ich jetzt nicht gebraucht“. Ich find das gehört dazu, dass man die Leut‘ probieren lässt.

Was bedeutet „Nachhaltigkeit“ für dich?

Regionalität steht für mich an erster Stelle.

Ich komm‘ aus einer Bäckersfamilie und bin am Land aufgewachsen. Ich war es immer gewohnt gute Dinge zu essen, die aus der Region kommen. Deswegen war Nachhaltigkeit bei uns eigentlich nie ein Thema. Sondern das war einfach gegeben. Als ich mit 14 Jahren in die Stadt gekommen bin, war ich ein bisschen überwältigt. In der Stadt wird man irgendwie so ein bisschen verdorben - bis man sich wieder darauf besinnt, dass man nicht unbedingt alles braucht.

Ich stehe auch den großen Bio-Supermarktketten skeptisch gegenüber. Das ist zwar Bio – aber die lassen sich ja auch die Produkte aus aller Welt herliefern. Da werden die Leut‘ ein bisschen für dumm verkauft, denk‘ ich mir. Mit Regionalität fängts an, weil man sich da sämtliche Transportwege spart. Auch bei mir, und dafür leg‘ ich die Hand ins Feuer, ist alles 100% Bio – nur steht‘s halt nicht überall drauf. Weil sich die Leut‘ das Label ganz einfach nicht leisten wollen oder können.

Woraus zerrt deine Motivation?

Es ist mir einfach eine Herzensangelegenheit.

Mir geht’s nicht darum, dass ich Profit mit den Lebensmitteln hier mach‘, ich lebe vom Copyshop. Mir ist wichtig, dass der Produzent wieder wertgeschätzt wird und dass er für seine Arbeit und für seine Mühe ein anständiges Geld bekommt.

Ich werbe auch immer die anderen kleinen Läden hier in unserem Grätzl an. Den „Bauernmarkt Helene“ und das Käsegeschäft. Wir halten einfach zam‘ und stehen nicht in Konkurrenz und so sollt’s halt auch sein. Wenn ich eine Verkostung mache, dann schau‘ ich, dass ich die anderen auch mit ins Boot hol‘.

Wenn du die Chance hättest, ein Konzept zu einer „neuen Welt“ mitzugestalten – was würdest du einbringen?

Einfach ein bisschen zurückschrauben.

Das mag vielleicht altmodisch klingen – aber ich find‘ halt, dass die Hektik im Leben überhand genommen hat. Wem oder was muss ich ständig nachrennen? Und kommt’s wirklich drauf an?

Es geht doch darum gut auszukommen mit dem was man tut. Bei uns wollen alle immer das Beste zum geringsten Preis. Aber ich denk‘ mir halt: „Wenn alle viel verdienen und wenig ausgeben dann geht sich das nicht ganz aus, da bleiben ein paar auf der Strecke“. Ich kauf mir auch die teuren Schuh‘ aus dem kleinen Geschäft von gegenüber – dafür kommen die auch zu mir einkaufen. Wenn ich was verdien‘ dann geb‘ ich auch etwas aus.

Es geht immer um „mehr, mehr, mehr“ und ich sag dann halt: „Na, lieber halbwegs alles in einem g‘sunden Gleichgewicht“!

Interview-Autorin: Isabella, EcoMap Vienna