Bauernladen Helene

„Damit die Normalität wieder einkehrt gibt’s bei mir nur den Spruch: von allem ‚a bissal was‘, mit Hausverstand, mit Menschlichkeit und mit Bauchgefühl"

 

Der Spruch passt auch gut in die heutige Zeit im Konsum- und Produktionsrausch. Es soll jedem gegönnt sein, aber ich bleibe bei meiner Linie, mit der ich auch meinen Laden führe: normal bleiben, menschlich bleiben, es soll leistbar sein, gemeinschaftlich denken und natürlich von allem ‚a bissal was'!                                                                                                                                                                                                                                                                                                                  - Helene Zinel

 

                                                                                                                                                                                  Wien, 12.02.2020

Wie kam es zur Gründung vom „Bauernladen Helene“? 

In meinem Leben hat sich alles aus den Umständen heraus ergeben.

Ich bin als Tochter eines Kleinbauern aufgewachsen, habe dann eine kaufmännische Ausbildung gemacht und bin ins Arbeitsnehmerverhältnis eingetreten. Dann habe ich einen Kleinbauern geheiratet und bin in den Betrieb als Unterstützung eingestiegen. Zusammen haben wir die Landwirtschaft umstrukturiert und zu einem Freiland Hühnerhof ausgebaut. Das war 1997 und schon damals hatten wir eine Erdwärmepumpe. Für mich war es wichtig einen gesunden Kreislauf für unsere Hühner bereitzustellen. Nach und nach ist das Gemüse dann zu unserem Hauptzweig geworden. Vermarktet haben wir das größtenteils am Naschmarkt und einen kleinen Teil ab Hof.

2009 kam dann die Meldung von der Sanierung des Naschmarkts. Da ich in einem Baubüro arbeitete, wusste ich was auf uns zukam und schaute mich nach einer Alternativverkaufsstelle um. Da haben wir uns zu siebt zusammengetan und das Geschäft hier angemietet. Es war also eine Art Notlösung und somit schließt sich der Kreis wieder, denn meine kaufmännische Ausbildung kommt mir hier sehr zu Gute.

 

Was waren die größten Hürden?

Ich bin Optimistin und habe für jeden ein offenes Ohr.

Hürden gab es einige. Ich halte aber nicht viel von jammern, ich schaue mir lieber an wie ich ein Problem konkret und gut lösen kann. Am Anfang waren wir zu siebt und dann sind wir stetig gewachsen. Auch ich habe am Anfang gekämpft wie eine Löwin, deswegen war es mir besonders wichtig die kleineren Bauernbetriebe zu unterstützen. Mittlerweile sind wir 33 Bauern, die hier im Laden ihre Produkte verkaufen.

2015 mit der Registrierkassenpflicht kam die nächste Hürde, denn dies hatte zur Folge, dass viele kleine Bauern abgewürgt worden sind. Wir entschieden uns dann einen Einzelhandel zu gründen. Seitdem bin ich „Bauernladen Helene“. Mein ganzer Betrieb basiert eigentlich auf Hausverstand und Bauchgefühl und aus den Umständen heraus ergibt sich alles.

 

Bist du biologisch?

Ich bin nicht zertifiziert biologisch – ich tue nur nichts! Regional, saisonal und nachhaltig war ich immer schon.

Ich war immer schon die Helene und ich bleibe die Helene! Ich habe mein Gemüse und wenn ein ‚Drahtwurm‘ in den Karotten im Herbst drinnen ist, dann ist er drinnen und meine Leute wissen, dass sie ihn rausschneiden müssen. Wenn ein ‚Haxele‘ dabei ist, dann ist halt ein ‚Haxele‘ dabei. Ich kauf auch ein biologisches Saatgut, aber ich bin nicht zertifiziert biologisch. Wir spritzen das Gemüse nicht, wir verwenden auch keinen Kunstdünger. Ich bin die Helene bei mir gibt’s ein Helenen Gemüse!

 

Was bedeutet „Nachhaltigkeit“ für dich?

Regionalität und gerechte Preise.

Für mich ist nachhaltig, wenn wir von dem leben, was bei uns in der Region wächst. Egal um was es geht und so gut wie es geht. Die ganzen Gesetze und Richtlinien sind oft das, was Nachhaltigkeit umbringt. Denn die guten eingelegten Paprika von der Oma könnte ich hier jetzt nicht verkaufen - weil kein Abtropfgewicht oben steht.

Wir sind ehrlich und das wissen die Leute und das spüren sie auch. Bei uns gibt’s nicht immer alles, ich brauche keine Avocados zu der Jahreszeit und schon gar nicht in Österreich. Aber genau die findet man oft im ‚Bio-Eck‘ vom Supermarkt liegen und das wiederspricht sich!

Da sag ich: ‚bleibt‘s doch daheim‘! Dann isst man halt den Kohl im Winter der hat wahnsinnig viel Vitamin C, da braucht es keine Orangen. In diesen Breitengraden ist die Orange nicht vorgesehen, sonst würde sie hier wachsen. Das ist nachhaltig! Oder es gibt Preise für nachhaltige Produkte, bei denen man ‚sich anmacht‘. Meine Philosophie ist: es muss leistbar bleiben!

Zurück zur Normalität.

Beim nachhaltigen Nahrungsanbau geht es mittlerweile oft zu wie beim Spitzensport. Es geht nur noch darum: wer hat die meisten ‚Pickerl‘ auf der Kappe und wer beißt am öftesten in die Marken - Chips. Das ist nicht mehr normal und hat nichts mehr mit sportlichem Messen zu tun. Das ist beim Gemüse genau das gleiche.

Es soll jeder machen was er will – ich bleib bei meiner Linie: normal bleiben, menschlich bleiben, es soll leistbar sein und wir müssen wieder gemeinschaftlich denken!

Von allem ‚a bissal was‘

Die Mentalität von ‚Immer noch mehr haben wollen als der andere‘ gehört abgeschafft. Uns geht es so gut wie nie zu vor, aber ich glaube mit dem Wohlstand wird es wieder retour gehen. Wenn man das allerdings als Chance für mehr Solidarität, Gemeinschaft und einem Leben im Einklang mit der Natur sieht, dann ist es etwas Positives. Hierzu sage ich immer den Spruch meiner Großmutter: von allem ‚a bissal was‘. Jetzt mit der vielen Büroarbeit, denke ich mir vom Essen vielleicht ‚a bissal weniger‘ aber sonst von allem ‚a bissal was‘!

 

„Damit die Normalität wieder einkehrt gibt’s bei mir nur den Spruch: von allem ‚a bissal was‘, mit Hausverstand, mit Menschlichkeit und mit Bauchgefühl. Das sind meine Regeln und sonst nichts – das einfachste auf der Welt!