"Mir ist wichtig, dass den Kunden bewusst ist, dass wenn sie einen Laden unterstützen nicht nur dem Laden und seinen Mitarbeitern helfen, sondern allen Akteuren, die in dem System arbeiten, wie unsere Lieferanten."

Die Marke SIGGIS wurde von mir auf der Basis meiner eigenen Lebensphilosophie entwickelt. Verantwortung und Respekt für Mensch, Tier und Natur haben für mich absolute Priorität. Meine Mission ist es, den zerstörenden Kreislauf zu unterbrechen und aktiv mit Gleichgesinnten Teil einer großen Bewegung zu sein, die die Welt verändert und dadurch langfristig heilt.

- Sigrid Lutz

 

 

 

 

München, 14.04.2020

Wie kam es zur Gründung von SIGGIS? Was war eure Vision?

Im vorherigen Job fehlte die Sinnhaftigkeit 

Siggi, das ist der Name meiner Mutter, war damals in einem ganz normalen Job im Vertrieb tätig, als sie sich dachte, dass sie irgendwas mit mehr Sinn machen möchte. Ich glaube es waren 2.5 Jahre in denen sie sich überlegt hat was sie machen möchte. In der Zeit wurde sie vegan und entschloss deshalb in den Veganismus zu gehen und vegane Ernährung in guter Qualität aus Fairtrade-Produktionen leicht zugänglich zu machen. Sie wollte es immer gerne über das Essen machen, weil es das Einfachste ist. Es geht ja alles durch den Magen, wie man immer so schön sagt. Als das beschlossen war, standen viele Konzepte im Raum und es wurde immer wieder umgemünzt und überlegt.

Letztendlich bekamen wir diese Immobilie hier vorgeschlagen und dann haben wir direkt zugeschlagen und es innerhalb von kürzester Zeit einfach umgesetzt. Es war immer  ihr Traum mit ihrem Unternehmen zu einer dauerhaften Veränderung im Denken und Handeln beizutragen,und das hat sie einfach wahr gemacht ohne Expertise. Meine Mutter kam ja nicht aus der Gastronomie, weshalb Sie sich mit dem Chefkoch, Sebastian Copien, ein großartiger veganer Koch, zusammen tat, um mit ihm zu arbeiteten. Mit Sebastian Copien wurde ein Sortiment zusammengestellt, um ihren Traum wahr zu machen.

 

Warum genau vegane Küche?

Aus Respekt vor Mensch, Tier und Natur, und für eine „geheilte“ Welt

Meine Mutter wurde vegan, weil sie in der Zeit als ihr Umdenken stattfand gemerkt hat, dass sie die Art und Weise ihres Lebensstils ändern möchte – mit Verantwortung und Respekt für sich selbst, dem Mensch generell, Tier und Natur. Vegan leben heißt ja auch viel mehr als nur vegan zu essen. Zum Beispiel ist in unserem Laden das Klopapier aus Bambus, wir beziehen Ökostrom, und vieles ist recycelt. Auch unsere Getränkehersteller nutzen einen veganen Etikettenkleber. Also man muss schon wirklich weiterdenken, wenn man einen veganen Lebensstil verfolgen möchte, als nur vegan zu essen. Das find ich auch sehr wichtig und das merkt man auch, wenn man bei uns in den Laden reingeht. Das ist das eine, und wenn du meine Mama fragen würdest, würde sie sagen, dass sie ihren Teil dazu beitragen möchte, um für eine bessere Welt zu sorgen. Natürlich ist das eine Mammut-Aufgabe, die kaum zu erreichen ist, aber sie möchte ihren Beitrag dazu leisten, um die Welt ein Stück besser zu machen. Sie möchte die Welt ein wenig davon heilen, was in den letzten Jahren durch Profitdenken, Machtgier, Skrupellosigkeit und Größenwahn zerstört wurde.

 

Woher kommen eure Produkte? Mit wem arbeitet ihr zusammen?

Wir versuchen so gut es geht regionale und biologische Produkte zu nutzen.

Inzwischen gibt es uns schon seit drei Jahren und zwei Monaten. In der Zeit gab es mehrere Küchenchefs und verschiedene Leute mit denen wir zusammengearbeitet haben. Ursprünglich war es Sebastian Copien, der damals die Karte erstellte. Seitdem haben wir uns immer weiter entwickelt mit Einflüssen von verschiedenen Köchen, von meiner Mutter, von mir, von meinem Vater, von unseren Gästen, und von Messen die wir besucht haben.

Wir versuchen, so gut es geht, regionale und biologische Produkte zu nutzen. Das ist natürlich immer ein bisschen schwierig, denn man möchte natürlich auch betriebswirtschaftlich weiterkommen und sich nicht ins Leere arbeiten. Da muss man dann auch drauf achten, dass man Umsatz und Gewinn macht und überlebt. Heißt, biologisch und regional ist leider noch immer sehr teuer. Wir sind schätzungsweise zu ungefähr 85% biologisch und haben keine Biozertifizierung. Wir haben viele Produkte von Herstellern, die biozertifiziert sind, dürfen das aber nicht so kommunizieren und verkaufen, da wir selbst kein Biozertifikat haben. Das steckt natürlich sehr viel deutsche Bürokratie dahinter. Aber wir versuchen das bei vielen Gerichten umzusetzen und z.B. regionales Gemüse anzubieten. Es ist nicht unser Stützpunkt, wie beim Bio-Einkaufsladen Basic, aber wir achten auf jeden Fall drauf und versuchen es so gut es geht umzusetzen.

 

Was bedeutet Nachhaltigkeit für dich?

Nachhaltigkeit hat viele Facetten, welche durch einen veganen Lebensstil sehr gut bedient werden können.

Mit kommt immer als erstes in den Sinn, ich weiß nicht warum es mich so geprägt hat, nachhaltige Stromerzeugung. Und dass man nachhaltig agiert, so dass man auch den nachkommenden Generationen weiterhin die Möglichkeit gibt von dem zu leben von dem man selbst auch lebt. Nachhaltigkeit heißt, dass man Ressourcen für sich und die Generation danach gut einteilen muss. Nachhaltig heißt aber auch Fairness. Das heißt, ich versuche darauf zu achten, dass ich die Bauern nachhaltig unterstütze, so dass sie ihre weiteren Generationen unterstützen können, und diese nicht ausgebeutet, sondern fair behandelt werden.

Nachhaltig heißt aber auch auf sich gesundheitlich zu achten. Jeder von uns hat eine Lebenserwartung von 70 - 80 Jahren, welche man erfüllen möchte. Auf Veganismus bezogen heißt es, dass man sich gesund und vor allem bewusst ernährt. Nicht jeder Veganer ist automatisch der gesundeste Mensch auf der Welt, aber wenn man sich bewusst ernährt, dann gehört vegane Ernährung auf jeden Fall dazu. Nachhaltigkeit hat also viele Facetten und diese können durch einen veganen Lebensstil sehr gut bedient werden, denn da geht es um das umsichtige Handeln.

 

Was möchtet ihr mit der veganen Küche erreichen und euren Kunden mitgeben?

Unser Ziel ist es, dass sich Menschen fundiert mit bewusstem Konsum auseinandersetzen

Ich glaube, dass das SIGGIS mehr als nur ein Restaurant ist, denn dahinter steckt ein großes veganes Lebenskonzept. Wir haben viele Flyer im Restaurant, die die Leute informieren können und womit wir in Kombination mit unserer Küche, unseren Kunden, auch Skeptikern eine Informationsplattform zum Thema bieten wollen. Der Großteil unserer Gäste und Kunden sind keine Veganer, sondern Omnivor (essen also alles), wollen sich aber bewusster ernähren. Genau da wollen wir angreifen und eine Zukunft mitgestalten, in der sich Leute bewusster ernähren. Wir sind keine Kampf-Veganer und wollen nicht auf Teufel komm raus alle zu Veganern konvertieren. Aber es geht uns vor allem darum, dass man sich bewusster wird über was man konsumiert, ob es Essen ist, ob es Kleidung ist oder andere Sachen.

 

Was würdest du verändern, könntest du Maßnahmen für mehr Nachhaltigkeit setzen?

Kleine Maßnahmen ergreifen, die zum Umdenken anregen

Es werden viele Sachen gemacht, dich ich sehr gut finde, wie z.B. den Verbot von Plastikstrohhälmen. Das sind alles Kleinigkeiten, aber die sind sehr wichtig, da sie dem Verbraucher zeigen, dass man gewisse umweltschädliche Sachen ganz einfach umgehen kann. Danach allerdings weiter zu denken ist der Schritt, den der Verbraucher selber machen muss.

Es ist schwierig mehr zu machen, weil überall wo du was verbietest, wie z.B. die Plastikstrohhälme, schränkst du natürlich Leute ein, die sich vielleicht darauf eingestellt haben oder z.B. aus finanziellen Mitteln nicht anders können. Das Thema muss man also aus vielen Perspektiven betrachten. Ich würde deshalb wahrscheinlich auch nicht viel mehr ändern, sondern weiterhin mit solchen Akzenten arbeiten, die über die folgenden Jahre hinweg einen Wandel schaffen. Wir können nicht von heute auf morgen so einen Wandel durchführen. Der Mensch ist dafür nicht gemacht, er ist ein Gewohnheitstier und deshalb würde ich kleinere Maßnahmen verfolgen, die zum Umdenken anregen.

 

Was bedeutet dir die Unterstützung von lokalen, nachhaltigen Geschäften in dieser Zeit geprägt von Covid?

Die Unterstützung lokaler Läden wirkt sich nicht nur positiv auf den Laden an sich aus, sondern allen Parteien in der Lieferkette.

Es ist super wichtig, dass man lokale und nachhaltige Läden unterstützt. Es trifft natürlich alle lokalen Läden. Läden, die auf Nachhaltigkeit Wert legen, trifft die Krise eventuell ein wenig mehr, weil ihre Ausgaben höher sind, als bei Läden, die nicht auf Nachhaltigkeit achten. Das ist leider immer noch so. Was ich aber generell ganz wichtig finde ist, dass wenn uns die Verbraucher und unsere Gäste unterstützen, indem sie zu uns kommen und was zu Essen kaufen, dann können wir auch weiterhin unsere Lieferanten unterstützen und damit eine Kette weiterführen, die viel mehr Menschen betrifft als nur uns. Mir ist wichtig, dass den Kunden bewusst ist, dass wenn sie einen Laden unterstützen nicht nur dem Laden und seinen Mitarbeitern helfen, sondern allen Akteuren, die in dem System arbeiten. Der Lieferant muss auch seine Mitarbeiter bezahlen und schauen, dass er genügend Aufträge erhält. Gerade deshalb sollte man in der Zeit lokalen Geschäften mehr helfen als sonst